Länger leben mit Sex


Nach dem Infarkt
Länger leben mit Sex
pikselstock/Shutterstock.com

Ein überstandener Herzinfarkt ist kein Grund, auf Sex zu verzichten. Im Gegenteil: Wer frühzeitig nach dem Ereignis wieder sexuell aktiv wird, hat offenbar langfristig bessere Überlebenschancen.

500 Herzinfarkt-Patient*innen nach Sex befragt

Aus Angst vor einem erneuten Infarkt verzichten viele Menschen nach dem einschneidenden Herz-Ereignis auf sexuelle Aktivitäten. Doch ist diese Vorsicht wirklich nötig? Dieser Frage ist eine israelische Forschungsgruppe mit Hilfe der Daten von fast 500 Herzinfarktpatient*innen nachgegangen.

90% der Studienteilnehmer waren Männer, 10 % Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren. Sie wurden befragt, wie oft sie vor und in den drei und sechs Monaten nach dem Infarkt Sex gehabt hatten. Nach diesen Angaben ergaben sich 2 Gruppen: Gruppe 1 (47%) hatte nach dem Ereignis entweder ganz auf Sex verzichtet oder zumindest die Häufigkeit reduziert. Die andere Gruppe (53%) war nach dem Infarkt genauso oder sogar verstärkt sexuell aktiv.

Sterberisiko reduziert

In der durchschnittlich 22 Jahre dauernden Nachbeobachtungszeit verstarben 211 Patient*innen. Bei Analyse der Daten stellte sich heraus, dass diejenigen, die in den ersten sechs Monaten nach Infarkt zu ihrem vorherigen aktiven Sexleben zurückgekehrt waren, ein um 35% geringeres Sterberisiko hatten als diejenigen, die auf Sex verzichtet oder ihn reduziert hatten. Hauptgrund für den Überlebensvorteil der sexuell Aktiven war ihr geringeres Risiko, an nicht-kardiovaskulären Erkrankungen wie beispielsweise Krebs zu versterben.

Über die Ursache dieses Überlebensvorteil lässt sich trefflich spekulieren. Womöglich ist die ausgeübte Sexualität nur eine Art Marker für eine ohnehin bessere Fitness, mutmaßen die Autor*innen. Dem widerspricht allerdings, dass bei Berechnung des Überlebensvorteils wichtige Einflussfaktoren wie Übergewicht, Schwere des Infarkts oder körperliche Bewegung berücksichtigt worden waren. Denkbar wäre aber auch, dass die erlebte Sexualität das Selbstbild als energiegeladene, gesunde Person förderte und dadurch weiter zu einem gesünderen Lebensstil anspornte.

Erst Beratung, dann Sex

Wie dem auch sei — die israelische Forschungsgruppe empfiehlt Kardiolog*innen, zu (angemessener) sexuellen Aktivität zu ermutigen. Davor ist natürlich individuell abzuklären, welche körperliche Belastung erlaubt ist und wie sich die Belastungsfähigkeit mit weiteren Maßnahmen verbessern lässt. Die amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften unterstützen dies: Sie haben ihren kardiologischen Kolleg*innen einen umfangreichen Leitfaden für die sexuelle Beratung Herzerkrankter an die Hand gegeben.

Quelle: www.kardiologie.org

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